Stockers Börsencheck: Ist eine Korrektur längst überfällig?
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Es ist wieder einmal so weit: Die Volatilität an den Aktienmärkten hat deutlich zugenommen, die Medien befürchten einen bevorstehenden Crash und schüren die Unsicherheit zusätzlich. Dabei zeigt ein Blick auf die größten Rückschläge des S&P 500® in den bisherigen 2020er-Jahren, wie stark die Märkte innerhalb eines Jahres zwischen ihren Höchst- und Tiefstkursen schon geschwankt haben und dass eine solche Volatilität durchaus üblich ist.

Die größten Rückschläge des S&P 500® in den 2020er-Jahren:

  • 2020: –33,9 Prozent
  • 2021: –5,2 Prozent
  • 2022: –25,4 Prozent
  • 2023: –10,3 Prozent
  • 2024: –8,5 Prozent
  • 2025: –18,9 Prozent
  • 2026: –6,4 Prozent (Stand: 23.03.2026)

Angesichts der aktuellen Lage ist das fast schon erstaunlich. Wir befinden uns inmitten eines militärischen Konflikts im Nahen Osten, die Ölpreise sind empfindlich in die Höhe geschossen, die Zapfsäulenpreise schmerzen, geopolitische Risiken eskalieren und gleichzeitig geraten Technologie- und Softwarewerte unter Druck. Und dennoch verhalten sich die Aktienmärkte mit Blick auf die Belastungen durch die Energiepreise erstaunlich robust.

Warum also hält sich der Markt so gut?

Christian Stocker,
Leitender Aktienstratege, UniCredit Bank GmbH

Der Aktienmarkt verhält sich, abgesehen von ersten Schreckmomenten, oftmals, ich nenne es einmal so: notorisch „gegenintuitiv“. Der Aktienmarkt schaut nach vorn, in der Regel sechs bis neun Monate, und nicht zurück. Kurzfristig sind Bewegungen oft schwer zu erklären – manchmal wirken die Kurse wie beschichtet mit Teflon, nichts scheint an ihnen zu haften.

Ein möglicher Grund: Investorinnen und Investoren versuchen, Überreaktionen zu vermeiden, und rechnen damit, dass sich der Konflikt schneller beruhigen könnte, als aktuelle Schlagzeilen vermuten lassen. Bezogen auf die aktuell hohen Rohöl- und Gaspreise bedeutet das: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Straße von Hormus auch in drei bis sechs Monaten noch nicht wieder passiert werden kann? Zudem haben Investorinnen und Investoren in den vergangenen Jahren gelernt, viele geopolitische Ereignisse zu ignorieren, sofern sie keine nachhaltigen Auswirkungen auf Unternehmensgewinne haben. Diese „Desensibilisierung“ mag rational erscheinen, aber: Wer oft genug erlebt hat, dass Panik nicht belohnt wird, verhält sich irgendwann entsprechend. Und das ist auch gut so!

Doch diese Robustheit hat eine Kehrseite: Wenn Märkte zu lange zu gelassen bleiben, wächst die Gefahr eines sogenannten Minsky-Moments – der Moment, in dem aus Sorglosigkeit plötzlich kollektive Panik wird. Dieser Moment und ob er überhaupt eintritt, ist nicht vorhersagbar. Nur so viel ist festzustellen: Je länger die Straße von Hormus nicht befahrbar ist, desto höher wird das Risiko für einen Minsky-Moment.

Natürlich kann man stundenlang darüber diskutieren, was die Märkte in den kommenden Wochen zum Steigen oder Fallen bringt. Doch der kurzfristige Blick hilft selten bei langfristigen Anlageentscheidungen. Eine Korrektur wird kommen – wie immer eigentlich jedes Jahr. Der Auslöser wird im Rückblick weniger bedeutend sein, als es heute erscheinen mag. Und auch diese Korrektur wird vorbeigehen. So funktioniert der Aktienmarkt.

Was bedeutet das für unsere Erwartungen für 2026?

Trotz aller Unsicherheiten gibt es einige konstruktive Punkte:

  • Die Konjunktur bleibt widerstandsfähig: Keine Rezession in Sicht, Konsum und Arbeitsmarkt sind trotz deutlich gestiegener Energiepreise stabil.
  • Die Unternehmensgewinne bleiben solide: In Europa dürften sie 2026 um 6 bis 8 Prozent, in den USA um über 10 Prozent steigen.
  • Die Zinsen dürften auf ihrem aktuellen Niveau bleiben: Die Notenbanken signalisieren Stabilität – und das mögen die Märkte.
  • Technologiewerte haben zwar korrigiert, sind aber nicht strukturell beschädigt: Die Schwäche bei den Softwareunternehmen wirkt eher wie eine notwendige Bereinigung überhöhter Bewertungen, der Cashflow der sogenannten Hyperscaler im Technologiebereich bleibt hoch.

Kurz gesagt: 2026 könnte trotz holprigem Start ein ordentliches Aktienjahr werden – vielleicht kein Höhenflug wie in früheren Boomphasen, aber solide Renditen sind gut möglich, sofern geopolitische Krisen nicht weiter eskalieren.

Was bedeutet das für uns Aktieninvestorinnen und -investoren?

Der Markt wird auch in diesem Jahr wieder tun, was er immer tut: übertreiben, korrigieren, sich erholen – und langfristig weiter zulegen.

Christian Stocker, Leitender Aktienstratege, UniCredit Bank GmbH

Christian Stockers Aktienmarkteinschätzungen gibt es regelmäßig auch online:
>> onemarkets.de/stockers-boersencheck

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