Schlechte Stimmung am Aktien­markt – meist kein guter Ratgeber
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Schlechte Stimmung, Angst, Nervosität, Ausverkauf – ein solches Umfeld bietet historisch betrachtet die ­besten Einstiegschancen.

Ich gebe zu, logisch ist das auf den ersten Blick nicht. Schlechte Stimmung soll gut für Aktieninvestments sein? Ist eine sehr gute Anlegerstimmung dann wiederum ein Warnsignal? Nun ja, klingt komisch, genauso ist es aber in den meisten Fällen.

Etwas differenzieren muss man dabei jedoch schon. Keine Frage, eine gute Grundstimmung, basierend auf solidem Gewinnwachstum der Unternehmen, ist mittel- bis langfristig notwendig für steigende Aktienkurse. Der Fokus bei Anlageentscheidungen liegt aber leider meist auf kürzerfristigen Stimmungsschwankungen, welche die temporären Aufwärts- und Abwärtsbewegungen an den Aktienmärkten auslösen. Und ist die aktuelle Stimmung sehr schlecht, ist das als Kontraindikator gesehen positiv, da die damit zusammenhängenden Faktoren oftmals bereits eingepreist sind. Dies zeigt sich darin, dass die Kurse sich nach signifikanten Verlusten deutlich erholen, obwohl die zugrunde liegende, den Pessimismus auslösende Datenlage keine neuen Erkenntnisse ergibt – die Pessimist:innen haben verkauft. Aber ohne neue, noch schlechtere Nachrichten gibt es für die verbleibenden Investor:innen keinen Grund, sich von ihren Investments zu trennen, die Kurse stabilisieren und erholen sich.

Wie passt das in das aktuelle Umfeld? Die Anleiherenditen sind insbesondere in den Sommermonaten stark auf Niveaus gestiegen, die wir das letzte Mal vor rund 12 Jahren gesehen hatten. Gleichzeitig signalisieren die Konjunkturindikatoren ein schwaches Wachstumsumfeld. Das drückt stark auf die Börsenstimmung. Die Gewinnerwartungen für die STOXX®-­Europe-600-Unternehmen liegen aktuell jedoch im Bereich der Allzeithochs. Das passt nicht zusammen. Wir erwarten für kommendes Jahr ein moderates Konjunkturwachstum, rückläufige Inflationsraten und im Jahresverlauf niedrigere Zinsen. Das spricht für steigende Aktienkurse.

Aktuell zeigt beispielsweise der Bull-Bear-Spread der American Association of Individual Investors (AAII, Stand Mitte Oktober) mit einer Standardabweichung von seinem langjährigen Mittelwert eine deutlich negative Investorenstimmung an. In der Vergangenheit öffnete dies ein Zeitfenster, in dem die Aktienmärkte sich stabilisierten und zu einer Erholung ansetzten.

Das sagt uns, dass wir gegenwärtig wieder ein Umfeld haben, in dem Aktieninvestments unter mittel- bis längerfristigen Gesichtspunkten attraktive Aussichten haben. Den Tiefpunkt zu timen ist kaum möglich und immer mit Risiken verbunden. Regelmäßiges Investieren ist daher in meinen Augen nach wie vor die beste Empfehlung.

Ein Beispiel: Der DAX® konnte seit 1997 eine sehr ordentliche Performance erzielen. Wenn man allerdings nur die 10 besten Handelstage über diesen Zeitraum hinweg verpasst hat, etwa weil man während eines Kursrutsches panikartig verkauft und nicht wieder rechtzeitig den Einstieg gefunden hatte, verringert sich die Performance bereits deutlich. Hat man in den zurückliegenden 25 Jahren die 20 besten Handelstage verpasst, bleibt nur noch eine magere Performance übrig – und das inklusive Dividenden (der DAX® ist ein sogenannter Performance-Index).

Christian Stockers Aktienmarkteinschätzungen gibt es regelmäßig auch online: onemarkets.de/stockers-boersencheck

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