Interview: „Rücksetzer könnten gute Einstiegsgelegenheiten sein!“
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Die Aktienmärkte zeigten ein starkes erste Jahresdrittel. Was dahinter steckte und worauf es in den kommenden Wochen ankommen wird, erklärt Christian Stocker, Aktienstratege bei der UniCredit im Interview.

onemarkets: DAX & Co haben seit Jahresbeginn teilweise schon zweistellig zugelegt. Woher kam diese Euphorie?

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Christian Stocker: Das hatte mehrere Gründe. Zum einen waren die Marktteilnehmer im vierten Quartal 2018 außerordentlich pessimistisch gestimmt. Eine technische Gegenbewegung zu Jahresbeginn war also zu erwarten. Dass sich daraus eine Aktienrally entwickeln würde, kam etwas überraschend. Entscheidenden Anteil daran hatten die Notenbanken. Zunächst befeuerte die US-Notenbank die Märkte. Noch im Dezember stellte die Fed für dieses Jahr zwei Zinserhöhungen in Aussicht. Diese Einschätzung hat sich radikal geändert. Nun kann davon ausgegangenen werden, dass die US-Notenbank dieses Jahr nicht mehr an der Zinsschraube dreht. Es kann gar sein, dass die Zinsen kommendes Jahr wieder gesenkt werden. Befürchtungen, dass die US-Notenbank durch weitere Zinserhöhungen die Konjunktur deutlich abbremst waren damit auf einen Schlag vergessen. Was folgte war schlicht eine Bewertungsanpassung.

Zusätzlich stimuliert wurden die Entwicklungen in Europa von der europäischen Zentralbank. So erklärte EZB-Chef Mario Draghi, dass es dieses Jahr keine Zinserhöhung geben wird. Damit wurden auch hier die Erwartungen steigender Zinsen ausgepreist worden.

onemarkets: In ihrer jüngsten Studie schreiben Sie, dass die Rally übertrieben ist. Wie kommen Sie zu der Einschätzung?

Stocker: Die Frühindikatoren weisen weiter nach unten…

onemarkets: …aber der ifo-Index ist doch im April gestiegen…

Stocker: Das ist richtig. Allerdings sorgte der Dienstleistungssektor für Verbesserung. Im verarbeitenden Gewerbe deuten die Frühindikatoren weiter abwärts. Das gilt nicht nur für Deutschland sondern für ganz Europa. Der Dienstleistungssektor hat jedoch nur eine geringe Börsenrelevanz. DAX®, MDAX® und SDAX® bestehen zum großen Teil aus Unternehmen, die im verarbeitenden Gewerbe tätig sind – Industriekonzerne wie Siemens, Chemieriesen wie BASF und Lanxess oder den Automobilsektor mit Unternehmen wie BMW, Continental, Leoni, Schäffler und VW.

Wir gehen zwar davon aus, dass sich die Frühindikatoren in den Sommermonaten stabilisieren und zum Jahresende wieder leicht zulegen könnten. Darauf scheinen auch viele Investoren in jüngster Zeit gesetzt zu haben. Eine Schwalbe macht jedoch längst keinen Sommer. Die Märkte sind aus meiner Sicht den Fundamentaldaten weit vorausgelaufen. Die Rechtfertigung muss nun folgen.

onemarkets: Wie ist ihre Einschätzung für die kommenden Monate?

Stocker: Ich erwarte kurzfristig eine gewisse Konsolidierung. Wir stehen aktuell am Anfang der Q1-Berichtssaison. Ich denke nicht, dass die Unternehmen, die im ersten Quartal ihre Prognosen revidiert haben, im zweiten Quartal die große Trendwende verkünden. Ich erwarte daher, dass die Gewinnschätzungen weiter fallen werden. Das bedeutet, dass die Bewertungen – gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis – steigen. Wir sind derzeit in manchen Bereichen auf dem Niveau von 2017. Damals war die Konjunktur jedoch sehr robust und die Gewinnprognosen wurden erhöht. Auf Basis der Fundamentaldaten und der Bewertungen sind wir aktuell ausgereizt. Nach der nun schon über drei Monate andauernden Rally wäre aus meiner Sicht eine Konsolidierung um fünf bis zehn Prozent wünschenswert, um das aktuelle Kursniveau zu festigen. Ich erwarte jedoch keinen Kurscrash. Kursrücksetzer könnten vielmehr Einstiegsgelegenheiten sein.

Onemarkets: Welche Bereiche sollten Anleger dabei besonders im Auge haben?

Stocker: Der Defensive Bereich ist in den zurückliegenden Monaten bereits gut gelaufen. Dennoch bietet beispielsweise der Healthcare-Bereich noch Möglichkeiten. Mittelfristig aussichtsreicher erscheinen mir derzeit die Sektoren Rohstoffe, Öl & Gas und Chemie. Der Automobilsektor ist zwar günstig bewertet. Allerdings gibt es hier strukturelle Herausforderungen.

Onemarkets: Was hältst du von dem Börsenslogan: „Sell in may and go away“

Stocker: In der Vergangenheit war diese Strategie häufig erfolgreich. Es ist auch in diesem Jahr verlockend, denn im vergangenen Jahr war die Konjunktur noch robust und die Unternehmen haben teilweise Rekordgewinne erzielt. Das führt nun zu Rekorddividenden. Konkretere Hinweise auf eine stärkere Konsolidierung könnten die Quartalszahlen und mögliche Kommentare der Konzernchefs zum weiteren Jahresverlauf liefern. Bestätigt sich die Zurückhaltung viele Unternehmen, könnte der Markt kurzfristig deutlicher unter Druck geraten.

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