Interview mit Thomas Kruse: „Wir achten in erster Linie darauf, Verluste zu begrenzen“
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onemarkets MagazinWir sprachen mit Thomas Kruse, Chief Investment Officer bei Europas größtem Vermögensverwalter Amundi, über die Ursachen der jüngsten Kursturbulenzen sowie die Perspektiven an den Märkten. Ein weiteres Thema war die Strategie beim neuen Spezialfonds Amundi Weltportfolio Spezial.

onemarkets: Die Aktienmärkte sind turbulent ins Jahr 2018 gestartet. Inwieweit hat Sie das überrascht?

Thomas Kruse: Der Zeitpunkt hat uns überrascht. Wir haben eigentlich erst im zweiten Quartal 2018 damit gerechnet. Das Ausmaß der Konsolidierung hingegen weniger. Das Jahr 2017 war schließlich von einer historisch niedrigen Volatilität geprägt und die Allokationen haben sich vor allem im zweiten Halbjahr 2017 stärker in Richtung Aktien verschoben. Eine Korrektur war vor diesem Hintergrund also sicherlich notwendig.

onemarkets: Was war der Auslöser?

Kruse: Eines der Störfeuer am Aktienmarkt im ersten Quartal war sicherlich der teilweise deutliche Anstieg der Renditen am Anleihenmarkt. Katalysator war hier wiederum, dass die Zentralbanken dabei sind, ihre Zinspolitik zu verändern. Nicht unbedingt mit dem Ziel, eine Inflation zu bekämpfen, sondern vielmehr, um einen Schritt in Richtung Normalisierung herbeizuführen. Das hat viele Investoren verunsichert und zu diesen Kursabschlägen geführt.

onemarkets: Gleichwohl sind die Anleiherenditen immer noch weit von den Niveaus von vor zehn und mehr Jahren entfernt. Kann da wirklich von einer Normalisierung gesprochen werden?

Kruse: Historische Zinsniveaus werden wir so schnell nicht sehen. Mit Normalisierung meine ich, dass die Notenbanken ihre außerordentlichen Maßnahmen der expansiven Geldpolitik zurückfahren, um sich mittelfristig wieder auf die reine Zinspolitik konzentrieren zu können.

onemarkets: Sehen Sie tatsächlich Spielraum für Zinserhöhungen auf zwei bis drei Prozent seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) in den kommenden fünf Jahren?

Kruse: Zwei bis drei Prozent erscheinen viel. Man sollte jedoch – ausgehend vom derzeit niedrigen Zinsniveau – nicht den Fehler machen zu denken, dass zwei oder drei Prozent nicht möglich wären. Vieles wird davon abhängen, wie gut sich die Konjunktur entwickelt. Momentan haben wir eine robuste Weltwirtschaft, die auf einer selten breiten Basis wächst. Damit haben die Notenbanken die Möglichkeit, die Zinsen anzuheben. Die Frage, die sich heute stellt, ist also: Wie lange hält der Aufschwung an? Wir gehen davon aus, dass wir im Konjunkturzyklus schon relativ weit fortgeschritten sind. Wir erwarten jedoch aufgrund der Liquiditätsversorgung und der Tatsache, dass die Notenbanken nicht aggressiv agieren, dass diese Endphase des Konjunkturzyklus etwas länger anhalten könnte – möglicherweise bis Ende 2019.

onemarkets: Wann dreht EZB-Chef Mario Draghi an der Zinsschraube?

Kruse: Ich kann mir eine erste Zinserhöhung im ersten Quartal 2019 vorstellen. Es könnten danach vielleicht sogar noch weitere Zinsschritte folgen. Wie viele, wird in erster Linie von der Konjunkturentwicklung abhängen.

onemarkets: Sie sind bei Amundi für eine Reihe von Spezialfonds verantwortlich. Welche Strategien verfolgen Sie?

Kruse: Wir verfolgen mehrheitlich Multi-Asset-Strategien. In den Fonds sind sowohl Aktien als auch Anleihen und oftmals noch Rohstoffe enthalten. Die Spezialfonds sind je nach Art und Ausgestaltung individuell konzipiert. Der Kunde legt die Eckdaten für das Risiko und die Zielrendite und damit das grobe Mischverhältnis aus risikoarmen und risikofreudigeren Anlagen fest. Angesichts niedriger Renditen sind viele Kunden gezwungen, neue Wege zu gehen, und suchen Anlagelösungen, die ein hohes Maß an Sicherheit, aber gleichzeitig die Chance auf eine angemessene Rendite bieten.

onemarkets: Wie haben sich die Turbulenzen auf Ihre Strategien ausgewirkt?

Kruse: Aufgrund des jüngsten Renditeanstiegs am Rentenmarkt haben wir die Duration – sprich die durchschnittliche Zinssensitivität – der Anleihen in den Fonds reduziert, um das Zinsänderungsrisiko zu begrenzen. Die Aktien werden derweil relativ flexibel in Form von Direktinvestments oder Optionen gehandhabt.

„Beim Amundi Weltportfolio Spezial wollen wir sowohl über Aktien als auch über Anleihen eine angemessene Rendite erreichen.“ Thomas Kruse, Chief Investment Officer bei Amundi

onemarkets: Im April kommt mit dem Amundi Weltportfolio Spezial ein weiterer Spezialfonds hinzu. Welches Konzept werden Sie dort verfolgen?

Kruse: Für die Zusammenstellung des Portfolios gab uns die HypoVereinsbank bestimmte Vorgaben. Dazu zählt beispielsweise eine bestimmte Zielvolatilität, die nicht überschritten werden darf. Volatilität, also die Schwankungsintensität der Kurse, ist ein Maß für das Risiko. Je niedriger die Volatilitätsvorgabe, umso weniger Risiken dürfen wir als Manager eingehen. Beim Amundi Weltportfolio Spezial kann rund ein Drittel in Aktien investiert werden. Ein geringfügiger Teil ist in Rohstoffe und der Großteil in Anleihen investiert. Die Zusammensetzung ist jedoch keineswegs fix, sondern wird flexibel gesteuert.

onemarkets: Was passiert, wenn wie kürzlich ein kräftiger Kurssturz an den Aktienmärkten erfolgt?

Kruse: Die Zielvolatilität ist uns, wie gesagt, vorgegeben. Steigt die Schwankung an den Aktienmärkten, steigt auch die Volatilität des Fonds an. Wird die vorgegebene Zielvolatilität dabei überschritten, wird umgehend gehandelt und die Aktienquote gesenkt. Wird die Zielmarke jedoch wieder unterschritten, wird die Aktienquote wieder erhöht.

onemarkets: Wie wollen Sie eine angemessene Rendite erzielen?

Kruse: Beim Amundi Weltportfolio Spezial steht Risikokontolle vor Rendite. Wir achten also in erster Linie darauf, Verluste zu begrenzen. Amundi verwaltet weltweit über 250 Milliarden Euro in Multi-Asset-Fonds. Davon allein rund elf Milliarden Euro am Münchener Investmentstandort. Der Fokus auf die Verlustbegrenzung ist bei den meisten anderen unserer Fondsmandate ähnlich. Trotzdem haben wir in den letzten zehn Jahren Renditen zwischen drei und vier Prozent erreicht. Natürlich sind frühere Entwicklungen kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Beim Amundi Weltportfolio Spezial wollen wir sowohl über Aktien als auch über Anleihen eine angemessene Rendite erreichen. Im Anleihenbereich wird dabei ein großer Teil in Unternehmensanleihen mit mittlerer bis sehr guter Bonität und Schwellenländeranleihen investiert. Im Aktienbereich werden wir eher defensiv vorgehen und auf dividendenstarke Werte setzen. Aktuell favorisieren wir Europa und Japan, weil die Bewertungen dort zumeist tiefer liegen als in den USA und die Notenbanken derzeit sehr moderat agieren.

onemarkets: Welche potenziellen Risiken haben Sie aktuell im Blick?

Kruse: Momentan sehen wir kaum politische Risiken. Wie bereits erwähnt, verfolgen wir die Geldpolitik der Notenbanken sehr genau. Hier gilt unser Augenmerk vor allem dem Vorgehen der US-Fed. Gleichzeitig muss sich zeigen, ob die EZB tatsächlich zurück zur Normalisierung kommt. Zudem beschäftigt uns der Ölpreisanstieg, der die Inflation stimulieren und die Notenbank möglicherweise zwingen könnte, schneller an der Zinsschraube zu drehen als zunächst erwartet. Aktuell sehen wir dafür jedoch noch keine Gefahr.

onemarkets: Herr Kruse, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Anmerkung: Alle Meinungsaussagen oder Einschätzungen in diesem Artikel geben die Einschätzung des Gesprächspartners wieder. Die hierin zum Ausdruck gebrachten Meinungen spiegeln nicht zwangsläufig die Meinungen der UniCredit Bank AG wider.

Bildnachweise:

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