Interview: Mit Schwankungen weiter aufwärts


von onemarkets Magazin
am 22.02.17 um 8:04 Uhr in Interview / Investment / Magazin / Markt News / onemarkets Magazin März 2017 / Wissen


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Eine Vielzahl an politischen Ereignissen wird die Börsen 2017 in Atem halten. Angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs in Europa könnten sich die Aktienmärkte auf dem alten Kontinent aber trotzdem von ihrer positiven Seite zeigen. Experte Oliver Postler räumt aber nicht jeder Branche gleich viel Potenzial ein.

onemarkets Magazinonemarkets: US-Präsident Donald Trump hat im November eine wahre Rallye am Aktienmarkt entfacht. Wird sich diese fortsetzen?

Oliver Postler: Wir sind für das Jahr 2017 optimistisch gestimmt. Es wird aber sicher wieder viele Richtungswechsel geben. Ein spannendes Jahr ist allein aufgrund der politischen Agenda zu erwarten. Brexit und Trump haben uns schon 2016 beschäftigt und werden es auch in diesem Jahr tun. Zudem haben wir in Europa 2017 ein Superwahljahr mit Urnengängen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland. Ein auch 2017 anhaltendes robustes Wachstum global wie auch im Euroraum gehört zu dem positiven Gesamtbild und stützt als wichtiger Faktor die Aktienmärkte. Dazu kommen noch die Themen steigende Renditen der US-Staatsanleihen, weltweit steigende Zinsen, die straffere US-Geldpolitik, die vorübergehende Stärke des US-Dollars und anziehende Rohstoffpreise. Es gibt also viele Spannungsfelder, die dieses Jahr wirken werden, aber im Kern erwarten wir eine konjunkturelle Erholung, eine Gewinndynamik und damit eine Unterstützung für die Aktienmärkte.

onemarkets: Ein Katalysator der Rally war das von Donald Trump angekündigte Milliarden Dollar schwere Investitionsprogramm. Konkretes gibt es allerdings noch nicht. Was sind ihrer Erwartungen?

Postler: Es wurden mit Blick auf ein mögliches US-Konjunkturprogramm bereits relativ viele Vorschusslorbeeren an den Märkten verteilt. Nachdem bisher noch nichts Konkretes bekannt wurde, werden die Investoren inzwischen zunehmend nervös. Wir rechnen jedoch mit positiven fiskalpolitischen Effekten, das heißt mit Steuerreformen, Deregulierung und vor allem mit mehr Investitionen in die Infrastruktur in den USA. Trumps Vorteil ist dabei zweifellos, dass er den Kongress hinter sich hat. Damit können Maßnahmen vergleichsweise einfach eingeleitet werden. Ob jedoch die Bereitschaft vorhanden ist, die ohnehin schon hohe US-Staatsverschuldung weiter ausufern zu lassen, ist fraglich. Zudem ist die USA im konjunkturellen Zyklus schon relativ weit fortgeschritten. Die Arbeitslosenquote ist historisch niedrig und die Inflation steigt deutlich. Mit zusätzlichen stimulierenden fiskalpolitischen Maßnahmen steigt die Gefahr einer Überhitzung. Dies könnte die US-Notenbank möglicherweise dazu veranlassen die Zinsen deutlich schneller und stärker zu erhöhen, als wir es bisher erwarten. Risiko und Nebenwirkungen eines umfangreichen US-Konjunkturprogramms können also nicht ausgeschlossen werden.

onemarkets: Politische Börsen haben gewöhnlich kurze Beine. Hat sich das geändert?

„Die politischen Entwicklungen werden im laufenden Jahr nicht zuletzt aufgrund der anstehenden Wahlen in Europa weiterhin großen Einfluss auf die Entwicklungen an den Finanzmärkten haben.“
Oliver Postler, Chief Investment Officer Private Banking der HypoVereinsbank

Postler: Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass politische Veränderungen wie beispielsweise die Brexit-Entscheidung und die Wahl von Donald Trump zum US-Präsident die Finanzmärkte maßgeblich bewegen können. Etwas mehr als drei Monate nach der US-Präsidentschaftswahl stehen die Märkte immer noch im Bann von Donald Trump. Das zeigen ihre Reaktion auf Tweets, Interviews und Pressekonferenzen. Die politischen Entwicklungen werden im laufenden Jahr nicht zuletzt aufgrund der anstehenden Wahlen in Europa weiterhin großen Einfluss auf die Entwicklungen an den Finanzmärkten haben. Auf der politischen Seite sehe ich derzeit auch die größten Risiken. Anleger sollten vor allem in den drei bis vier Wochen vor den Wahlen mit größeren Ausschlägen rechnen.

onemarkets: Wird 2017 ein Aktien- oder Anleihenjahr?

Postler: Im Euroraum sollten Aktien in den nächsten Monaten besser als Staatsanleihen abschneiden. Auf mittlere Sicht beeinflussen vor allem die Wachstumserwartungen die Aktienmarktbewertungen. Der aktuelle Wachstumsfokus könnte zu einem vorübergehenden Anstieg der Bewertungen im ersten Halbjahr 2017 führen, der dann durch steigende Gewinne zu bestätigen wäre. Die Renditen der US-Staatsanleihen steigen seit Juli 2016. Dieser Trend wurde durch den Ausgang der Präsidentschaftswahlen beschleunigt. Wir erwarten, dass die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen bis zum Jahresende 2017 noch etwas zulegen könnten. Steigende Renditen in den USA führen meistens auch bei uns zu steigenden Renditen. Bislang lief das noch recht verhalten. Nach dem Rekordtief im vergangenen Jahr von -0,2 Prozent legte die Rendite langfristiger Bundesanleihen auf aktuell rund 0,4 Prozent zu. Dieser Aufwärtstrend könnte sich 2017 sehr moderat fortsetzen. Derzeit liegt der Renditeunterschied zwischen amerikanischen und deutschen Staatsanleihen auf dem höchsten Stand seit über 30 Jahren. Dies könnte einen Renditedruck auf deutsche Staatsanleihen auslösen. Im Hinblick auf eine Reaktion der Aktienmärkte ist der Grund für den Zinsanstieg wesentlich. Sofern er in erster Linie einen verbesserten Konjunkturausblick widerspiegelt, dürften die Börsen in der Lage sein, ihn zu verkraften. In den nächsten Monaten sollten Aktien besser abschneiden als Staatsanleihen. Je höher die Zinsen steigen, desto deutlicher dürften sie zu einem Gegenwind für Aktien werden. Ab welchem Niveau die Börsen leiden, ist schwer abzuschätzen, aber die Aktienmärkte dürften im späteren Jahresverlauf anfälliger sein als zum Jahresbeginn.

onemarkets: Was sind für Sie die Katalysatoren für den Aktienmarkt?

„In den nächsten Monaten könnte es zu einer Outperformance des EURO STOXX 50 und des DAX® gegenüber dem S&P 500® kommen.“
Oliver Postler, Chief Investment Officer Private Banking der HypoVereinsbank

Postler: Ein weiterhin gesundes Wachstum im Euroraum im laufenden Jahr als Teil eines freundlicheren globalen Bildes ist ein wesentlicher Unterstützungsfaktor für die Aktienmärkte. Die Frühindikatoren verbesserten sich zuletzt insgesamt und überraschten positiv im Vergleich zu den Erwartungen. Der EURO STOXX 50® und der DAX® dürften die optimistischeren Einschätzungen des Wachstums und der Gewinne einpreisen. Die freundlicheren Wachstumseinschätzungen könnten in den nächsten Monaten zu einer Outperformance des EURO STOXX 50® und des DAX® gegenüber dem S&P 500® führen. Die Stärke des US-Dollars in den letzten Monaten kommt den Gewinnen im Euroraum zugute, während sie in den USA den positiven Effekten der erwarteten Steuerreform entgegenwirkt.

onemarkets: Kommt die Konjunktur in Europa weiter in Fahrt?

Postler: Für 2017 sind wir optimistisch gestimmt. Das Wachstum der Weltwirtschaft kommt voran. Weltweit ziehen die Volkswirte ihre Wachstumserwartungen nach oben. Ein stärkeres, ausbalancierteres Wachstum ist wahrscheinlich. Im Euroraum rechnen wir mit einem anhaltenden Wachstum (1,5 Prozent im Jahr 2017 und 1,4 Prozent im Jahr 2018), das von robusterem Wachstum in den Schwellenländern und einem stärkeren US-Dollar unterstützt wird. In den USA erwarten wir 2017 und 2018 ein Wachstum von 2,4 Prozent bzw. 2,7 Prozent. Im Euroraum wird das Wachstum wohl von Deutschland angetrieben. Auf der Ebene der BIP-Komponenten dürften Investitionen in Anlagen zu den wichtigsten Wachstumsfaktoren zählen. Der Verbrauch der Haushalte bleibt ebenfalls eine solide Wachstumsstütze, obwohl eine Abschwächung gegenüber 2016 zu erwarten ist. In Großbritannien rechnen wir 2017 mit einem Rückgang des Wachstums auf 1,2%. Demnächst beginnt der Brexit-Prozess, in dessen Verlauf sich die Schwierigkeiten und Gefahren des EU-Austritts für die britische Wirtschaft zeigen sollten. Die genaueren Folgen für das Wachstum sind weiterhin schwer einschätzbar.

onemarkets: Welche Regionen und Sektoren zählen 2017 zu Ihren Favoriten?

Postler: In der Breite der Märkte sind wir inzwischen am oberen Rand der Bandbreite der Bewertungen der vergangenen zehn Jahre angelangt. Vor allem der US-Aktienmarkt erscheint relativ ambitioniert bewertet. Um nachhaltig Kursgewinne auszulösen, müssen die Gewinne deutlich anziehen. Die Unternehmensdaten für das vierte Quartal 2016 nähren die Hoffnung, dass der Gewinnzyklus tatsächlich wieder nach oben zeigt. Unsere favorisierte Region ist Europa. Das Bewertungsniveau in Europa ist deutlich günstiger als beispielsweise in den USA. Bei den Sektoren dürften Industrial Goods & Services von steigenden Infrastrukturinvestitionen und solidem Wachstum in den Schwellenländern profitieren. Die positive Preisentwicklung und der allgemeine Anstieg der Nachfrage nach Rohstoffen sollten Chemicals zugutekommen. Banken profitieren von den höheren Kapitalmarktzinsen und einer steileren Renditekurve. Das Verhältnis zwischen Aufwärts- und Abwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen verbesserte sich in den vergangenen Monaten deutlich. Selbst die Reingewinne weisen erste Anzeichen einer Stabilisierung auf. Utilities stufen wir auf „Untergewichten“ herab. In den vergangenen zwei Jahren dienten Anlagen in defensive Sektoren oft als Alternative zu Anleihen, haben jedoch angesichts der steigenden Zinsen seither an Attraktivität eingebüßt. Zudem beschränken die hohen Bewertungen in den defensiven Sektoren das Aufwärtspotenzial.

onemarkets: Die Notenbanken hatten in den zurückliegenden Jahren großen Einfluss auf den Aktien- und Anleihenmarkt? Was erwarten Sie von EZB und Fed für 2017 und was bedeutet das für die Märkte?

Postler: Die globale Liquiditätsschwemme dürfte ihren Höhepunkt erreicht haben. In den USA steigt die Inflation deutlich. Die expansive Fiskalpolitik kommt am Ende des Konjunkturzyklus. Im Euroraum steigt die Inflation ebenfalls. Unseres Erachtens setzt sich der von den USA ausgehende Anstieg der Anleiherenditen 2017 fort und trägt auch zu einer Erhöhung der europäischen Zinsen bei. Die Erhöhung der Renditen und die Versteilerung der Zinskurve kommen den Finanztiteln zugute, belasten aber die defensiven Sektoren, die als Alternativen zu Anleihen gelten. Unsere Ökonomen gehen davon aus, dass die US-Notenbank Fed 2017 die Zinsen zweimal und 2018 dreimal anhebt. Eine überraschende Beschleunigung der US-Inflation könnte den Zinsanstieg verstärken den US-Dollar weiter stärken. Die EZB dürfte 2017 eine weitere Reduzierung der expansiven Geldpolitik ankündigen. Staatsanleihen sind überbewertet und Unternehmensanleihen stehen technisch unter Druck.

onemarkets: Gibt es Potenzial für positive Überraschungen und was sind potenzielle Risiken, die Investoren auf der Rechnung haben müssen?

Postler: Die größten Risiken liegen wohl auf politischer Seite. Die politischen Risiken sind hauptsächlich mit der Präsidentschaft Trumps verbunden. Unsere grundlegende Prognose geht davon aus, dass die neue Administration unter Trump keine Entscheidungen trifft, die dem Handel schaden. Dennoch besteht die Gefahr, dass Donald Trump Zölle einführt. Eine Belastung der Importe aus China würde die Befürchtungen bezüglich ernsterer Konflikte schüren und die Stimmung und Wachstumserwartungen dämpfen. Der Ausgang der Wahlen in den Niederlanden (15. März), Frankreich (23. April und 7. Mai) und Italien (Wahlen sind wahrscheinlich in 2017) kann zu politischen Risiken führen. Die Erfahrung aus dem Jahr 2016 zeigt, dass die Aktienmärkte im letzten Augenblick (einige Wochen zuvor) auf nahende politische Ereignisse reagieren. Unseres Erachtens könnte das auch für 2017 gelten. Im Euroraum dürften die Auswirkungen der wachsenden politischen Risiken größtenteils auf das betroffene Land selbst beschränkt sein. Sollten politische Veränderungen jedoch auch die EWU-Mitgliedschaft des Landes in Frage stellen, könnten die negativen Auswirkungen auf breiterer Ebene zu spüren sein: je größer der Staat und je höher die grenzüberschreitenden finanziellen Verflechtungen, desto schwerwiegender die möglichen Folgen. Die USA ist der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Was bedeuten die angekündigten Strafzölle für die deutsche Industrie und die Notierungen im DAX und vor allem in den Nebenwerteindizes? Die positiven Erwartungen für das Wachstum und die Gewinne in den USA müssen durch politische Entscheidungen bestätigt werde, die der Präsident erst noch treffen muss. Eine restriktive oder gar aggressive Handelspolitik würde den Wachstumsausblick und die Aktienkurse belasten. Bislang waren da primär China und Mexiko als mögliche Kandidaten genannt. Deren Reaktionen auf solche Maßnahmen bleiben abzuwarten. Bei einer generellen Strafzollpolitik wären natürlich auch Europa und Deutschland betroffen. Der DAX® sollte aufgrund der höheren Abhängigkeit vom US-Markt grundsätzlich mehr leiden als der MDAX®. Politische Risiken gibt es derzeit im Überfluss, auch außerhalb der US-Politik.

onemarkets: Ein großer Teil der Anleger ist defensiv investiert. Was raten Sie ihnen?

Postler: Die Deutschen verfügen über ein Vermögen von rund 5,5 Billionen Euro. Etwa 80 Prozent sind direkt oder indirekt über Versicherungen in (Staats-)Anleihen investiert. Die jüngsten Daten der Deutschen Bundesbank zeigen allerdings auch, dass ein großer Teil der Deutschen ihr Vermögen angesichts der niedrigen Zinsen real kaum erhalten kann. Die Niedrigzinsphase in Europa wird sich bis auf Weiteres fortsetzen. Ein Werterhalt des Vermögens ist allein über Staatsanleihen und andere sichere Investments nicht möglich. Das muss Anlegern klar sein. Daher erscheint mir eine Beimischung von soliden Unternehmensbeteiligungen wie Aktien ratsam, um in den kommenden Jahren einen realen Werterhalt plus einem gewissen Vermögenszuwachs zu erzielen. Das heißt jedoch auch, dass Investoren mit entsprechenden Schwankungen und Risiken leben müssen. Aber Schwankungen bieten oftmals auch interessante Einstiegsgelegenheiten. Im Anleihebereich sollten sich Anleger auf steigende Renditen und somit fallende Anleihenkurse vorbereiten. Dies wirkt vor allem am langen Ende. Investoren sollten daher die Duration der Anleihen zurückfahren.

onemarkets: Wie bewegen Sie Investoren, die bisher nur in sichere Anlagen investiert haben, dazu in riskantere Papiere wie Aktien zu investieren?

Postler: Dieser Umdenkprozess findet längst statt. Das sehen wir an den Kundenreaktionen. Kunden sind zunehmend bereit gewisse Teile des Vermögens, die in Zinsprodukten investiert sind, in andere Anlageklassen wie Aktien umzuschichten. Der Grad ist natürlich immer von der individuellen Risikoneigung, Anlagehorizont und Erfahrung des Investors abhängig. Wichtig ist jedoch, dass er/sie sich überhaupt diesem Thema widmet und schrittweise Fuß fasst.

onemarkets: Herr Postler, vielen Dank für das Gespräch.



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