Interview mit Philip Gisdakis: „Optimistisch für Aktien“
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onemarkets MagazinPhilip Gisdakis, Co-Head of Strategy Research bei UniCredit, spricht über die Konjunktur- und Kursperspektiven im Jahr 2018.


onemarkets: Herr Gisdakis, die Wirtschaft in der Eurozone befindet sich im Augenblick in einem robusten und breit angelegten Aufschwung. Hält der positive Trend 2018 an?

Philip Gisdakis: Davon gehen wir aus. Für das kommende Jahr rechnen wir im Euroraum mit einem respektablen Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent. Die Konjunkturdynamik dürfte sich also sogar noch beschleunigen.

onemarkets: Was stimmt Sie so optimistisch?

Gisdakis: Da gibt es mehrere Faktoren. Zum einen profitiert Europa von der anziehenden Weltwirtschaft. Zum anderen kommt auch die Binnenkonjunktur in vielen Ländern der Eurozone immer besser in Fahrt. Schließlich dürften wichtige Impulse auch wieder von der Inves­titionsseite ausgehen.

onemarkets: Und was ist mit den Risiken? Man denke zum Beispiel an den Katalonien-Konflikt.

Gisdakis: Sicherlich könnte eine Abspaltung Kataloniens von Spanien, sofern die Separatisten die Wahl am 21. Dezember 2017 gewinnen, an den Märkten eine gewisse Unruhe auslösen. Allerdings gehen wir davon aus, dass mittlerweile den meisten Katalanen klar geworden sein dürfte, dass eine Trennung von Spanien mit nicht kalkulierbaren ökonomischen Risiken für die eigene Region verbunden wäre. Von daher zählen wir das Thema nicht zu den Hauptrisikofaktoren. Das sind unserer Meinung andere.

onemarkets: Zum Beispiel?

Gisdakis: Denken Sie an geopolitische Risiken wie die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea oder an das Säbelrasseln zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Die zunehmende Rivalität zwischen den beiden Nahost-Mächten könnte die Ölförderung beeinträchtigen mit der Folge, dass es zu einer Angebotsverknappung bei Öl und steigenden Barrelpreisen kommt. Das wiederum wäre kein gutes Szenario für die Weltwirtschaft. Weitere Risikofaktoren sind ein zunehmender Handelsprotektionismus sowie negative Effekte durch einen harten Brexit.

onemarkets: Apropos Brexit. Momentan sind die Fronten zwischen London und Brüssel ja ziemlich verhärtet.

Gisdakis: Fakt ist, dass das Risiko eines harten Brexit gestiegen ist. Als positiv würden wir es schon erachten, wenn sich beide Lager zumindest auf eine ausreichend lange Übergangszeit einigen könnten.

onemarkets: Eine wichtige Rolle für die Aktienmarktentwicklung spielt seit jeher auch die Geldpolitik der EZB. Das Wertpapierankaufprogramm läuft noch bis September 2018. Doch wie geht es weiter?

Gisdakis: Das wahrscheinlichste Szenario dürfte sein, dass die Ankäufe nicht abrupt enden, sondern noch einige Monate mit geringfügigen Volumina fortgesetzt werden. So interpretieren wir zumindest die jüngsten Äußerungen von Mario Draghi. Der EZB-Chef ist sehr darauf bedacht, an den Märkten keine unnötige Volatilität aufkommen zu lassen.

onemarkets: Eine Leitzinserhebung sehen Sie 2018 also nicht?

Gisdakis: So ist es. Mit einem ersten Zinsschritt rechnen wir nicht vor Mitte 2019 und mit dem Ende der Nullzinspolitik nicht vor Ende 2019.

onemarkets: Wie stehen eigentlich die Chancen auf Kursgewinne im kommenden Jahr?

Gisdakis: Bei dieser Frage sind wir opti­mistisch. Insbesondere im ersten Halbjahr halten wir mit Blick auf die positive Konjunkturentwicklung sowohl beim DAX® als auch beim EURO STOXX 50® deutliche Kursgewinne für möglich. Auf das gesamte Jahr gesehen haben beide Indizes – ausgehend vom aktuellen Niveau – noch rund zehn Prozent Potenzial nach oben.* Vorausgesetzt natürlich, externe Schocks bleiben aus.

onemarkets: Und was ist von der Wall Street zu erwarten?

Gisdakis: Die geplante Steuerreform könnte, sofern sie vom Kongress beschlossen wird, bei US-Titeln noch für einen kleinen Stimulus sorgen. Allerdings ist der Konjunkturzyklus in den USA schon relativ weit fortgeschritten. Zudem sind US-Aktien deutlich höher bewertet als europäische Titel. Unsere Empfehlung lautet daher: Europa vor den USA.

onemarkets: Herr Gisdakis, vielen Dank für das Gespräch.


*Prognosen stellen keinen verlässlichen Indikator für zukünftige Entwicklungen dar. Stand: 27.11.2017

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