Interview mit Klaus Kaldemorgen: Die EZB hinkt der Fed vier Jahre hinterher


von onemarkets Magazin
am 29.03.17 um 7:36 Uhr in Interview / Investment / Magazin / onemarkets Magazin KOMPAKT April 2017


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Die Trumpmania ebbt ab. Seit Wochen pendeln die Märkte seitwärts. Wie geht es weiter? Was Fondsikone Klaus Kaldemorgen für das laufende Jahr erwartet, wieso Europa besser ist als die USA und Gold ins Depot gehört lesen Sie in einem exklusiven Interview mit onemarkets.

onemarkets Magazinonemarkets: Die Aktienmärkte starteten mehrheitlich freundlich ins Jahr 2017. Wie zufrieden sind Sie mit dem Auftakt?

Klaus Kaldemorgen: Die Wahl von Donald Trump war zwar für viele eine Überraschung. Seine Ankündigung von Steuererleichterungen und kräftigen Investitionen in die Infrastruktur kam bei Anlegern jedoch gut an. Dieses Momentum hielt bis in den März hinein an. Unterstützung bekamen die Märkte von insgesamt guten Wirtschaftszahlen aus Europa, den USA und China. Daher kann man mit dem derzeitigen Verlauf durchaus zufrieden sein. Allerdings zeigen sich allmählich einige Warnsignale.

onemarkets: Welche? 

Kaldemorgen: Zum einen hat die US-Notenbank im März die Zinsen erhöht. Weitere Zinserhöhungen dürften noch im laufenden Jahr folgen. In Europa wird es meines Erachtens eine ziemlich intensive Diskussion über das Tapering – sprich die Reduzierung der Anleihekäufe seitens der EZB – geben. Es könnte also mit Blick auf die derzeit niedrigen Zinsen mittelfristig mehr Gegen- als Rückenwind geben.

Zum anderen wirft die Umsetzung des politischen Programms in den USA Fragen auf. Der Charme war die Einfachheit des Programms. Schließlich ist jeder für Steuersenkungen und Ausgabensteigerungen. Wenn es so einfach wäre, könnte es jeder machen. Dass es noch keiner gemacht hat, hat wohl seinen Grund. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, was tatsächlich umsetzbar ist und ob die hochgesteckten Erwartungen der Anleger erfüllt werden.

onemarkets: 2016 war stark von den politischen Entwicklungen geprägt und führte zeitweise zu deutlichen Schwankungen. In der Tendenz ging es kräftig nach oben. Was haben Sie aus den Ereignissen aus 2016 für 2017 gelernt?

Kaldemorgen: Die Entscheidungen im vergangenen Jahr sind alle singulär und lassen sich schlecht in einen größeren Kontext einordnen. Der Trend zu zunehmendem Populismus und in die Politik hingetragener Protektionismus ist jedoch klar erkennbar. Ich denke, dass ein Protektionismus, egal wie er aussehen wird, am Ende schlecht für die Kapitalmärkte ist. Schließlich haben sie von der Globalisierung und vom Freihandel seit Anfang der 90er Jahre enorm profitiert. Wenn man das zurückschraubt, bedeutet das weniger Wohlstand und damit weniger Gewinn für die Unternehmen. Dass vermeintlich sicher geglaubte Werte möglicherweise zurückgenommen werden, zählt wohl zu den primären Erkenntnissen des vergangenen Jahres.

onemarkets: Können Sie in drei Sätzen den Investmentansatz beschreiben?

Kaldemorgen: Grundsatz des Fonds ist sicherlich: Man sollte nie Risiken eingehen, wenn nicht die Chance auf einen vernünftigen Ertrag vorhanden ist. Dass bei (Staats-) anleihen mit einer Rendite von 20 Basispunkten oder gar einer negativen Rendite das Risiko größer ist als die Gewinnchance, liegt wohl auf der Hand. Also muss man ein solches Risiko nicht eingehen. Ein zweiter Punkt ist die Diversifizierung. Das gilt nicht nur in Bezug auf verschiedene Anlageklassen. Vielmehr zerlegen wir beispielsweise eine Aktie in drei Risikoarten: Das Unternehmensrisiko, das Marktrisiko und das Währungsrisiko. Sind wir von einem Unternehmen überzeugt, sehen aber den Gesamtmarkt kritisch, sichern wir uns gegen Gesamtmarktrisiken. Ähnlich ist es bei Fremdwährungstiteln mit den Wechselkursrisiken. Beim Abwägen von Chancen und Risiken prüfen wir zudem sämtliche Anlagevarianten. Vor fünf Jahren waren die Unternehmensanleihen oftmals attraktiver als die entsprechenden Aktien. Heute sieht es angesichts teilweiser hoher Dividendenrenditen anders aus. Erscheint uns weder ein neues Engagement in Aktien noch in Anleihen interessant, können wir das Geld auch parken bis sich eine neue interessante Kaufgelegenheit bietet. Mein Ziel ist es, mit diesem Konzept nachhaltig Gewinne zu erzielen und ich will, dass die Anleger bei Investments in den Fonds ruhig schlafen können.

onemarkets: Sie managen seit 2011 den nach Ihnen benannten Deutsche Concept Kaldemorgen Fonds. Sicherheit oder Rendite first?

Kaldemorgen: Das ist kein Gegensatz. Es gibt keine Sicherheit am Kapitalmarkt. Das wurde spätestens dann abgeschafft, als die Zinsen auf null Prozent gesetzt wurden. Ich trage also immer ein Risiko. Es geht also vielmehr darum, bei einem gegebenen Risiko die erzielbare Rendite zu optimieren. Die Relation aus Risiko und erzielbarer Rendite muss also stimmen.

onemarkets: Sie sind in Europa stärker gewichtet als in Nordamerika. Ungewöhnlich für einen global operierenden Fonds…

Kaldemorgen: Es war rückwirkend vielleicht falsch, Europa stärker zu gewichten als die USA. Das muss jedoch nicht zwangsläufig für die Zukunft gelten. Schließlich wurden bereits die Leitzinsen erhöht und weitere Schritte werden folgen. Zudem ist die Bewertung von US-Titeln deutlich höher als bei europäischen Aktien. Angesichts der Zinsentwicklung scheint kaum noch Potenzial für eine Ausdehnung der Bewertung. Vielmehr rechne ich damit, dass die Bewertung schrittweise zurückkommt.

In Europa ist zum einen die Bewertung niedriger und bis auf Weiteres gibt es noch niedrigere Zinsen als in den USA. Zudem bietet sich eine Vielzahl solider dividendenstarker Substanzwerte. Ein weiterer Katalysator für die Europäer könnte die Politik sein. Die bevorstehenden Wahlen in Europa verunsichern die Anleger und sorgen für Zurückhaltung. Sollten wir diese Wahlperiode relativ schadlos überstehen, werden die Investoren zurückkommen.

onemarkets: Die Anleihenkurse schwanken derzeit recht extrem. Stehen wir vor einer nachhaltigen Wende?

Kaldemorgen: In den USA wurde die Wende bereits eingeleitet. Europa wird folgen. Wir haben festgestellt, dass die europäische Notenbankpolitik der amerikanischen rund vier Jahr hinterherhinkt. Daher erwarte ich, dass in diesem Jahr die Tapering-Diskussionen starten, die in den USA vor vier Jahren stattgefunden haben.

onemarkets: Was bedeutet das für den Anleger

Kaldemorgen: Er sollte bei lang laufenden Anleihen vorsichtig sein. Schließlich bergen sie ein hohes Zinsänderungsrisiko. Zugegeben, es ist schwierig, Anleihen komplett zu meiden, da sie risikodämpfend wirken. Um die Chance auf eine gewisse Rendite zu haben, sollten Anleger möglicherweise einen genaueren Blick auf Unternehmensanleihen werfen.

onemarkets: Haben Sie Gold im Depot?

Kaldemorgen: Ja. Gold bringt zwar keinen Ertrag wie Anleihen oder Aktien. Als Sachwert erscheint es mir dennoch für die Diversifizierung gut geeignet.



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