Interview mit Höhenbergsteiger Ralf Dujmovits: „Der Glaube versetzt Berge“
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onemarkets MagazinDie Liste der Abenteuer von Ralf Dujmovits ist lang. Mit über 50 Expeditionen zählt er zu den erfahrensten Höhenbergsteigern der Welt. Unter anderem hat er als einziger Deutscher alle 14 Achttausender bestiegen. Um Derartiges zu leisten, hält er sich ständig fit – körperlich und psychisch. Das empfiehlt er auch Tradern.

onemarkets: Sie haben Ihr Hobby zum Beruf gemacht. Das gelingt nicht jedem. Wie kam es dazu?

Ralf Dujmovits: Ich hatte das Gefühl, dass Bergsteigen meine große Leidenschaft ist. Während meines Medizinstudiums habe ich zwar gemerkt, dass ich als Medizinmann nicht verkehrt wäre, aber die Bergsteigerei hat mich so gefesselt, dass ich das Studium an den Nagel gehängt und den steinigen Weg – zunächst als Bergführer – gewählt habe. Ich habe es nie bereut. Im Gegenteil. In den letzten drei Jahrzehnten durfte ich zumeist das verwirklichen, was ich am liebsten mache und am besten beherrsche. Ich kann nur jedem wünschen, dass er oder sie herausfindet: Was sind meine Stärken und was ist das, was ich am liebsten mache? Und dem Ruf auch folgen kann.

onemarkets: War es von Anfang an Ihr Ziel, alle 14 Achttausender zu besteigen?

Dujmovits: Nein. Es war wie beim Anlegen und Traden. Da fangen Sie schließlich auch mit kleinen Geschäften an. Ich habe mit sieben Jahren das Bergsteigen begonnen, und es hat viele Jahre gedauert, bis ich den ersten Sechstausender in Südamerika bestiegen habe. Auf dem Weg dorthin habe ich mir viele Etappen-Ziele gesetzt. Inzwischen hat sich daraus die Höhenbergsteigerei entwickelt.

Die Idee mit allen vierzehn Achttausendern kam erst nach dem Zehnten und gefährlichsten Berg unter den Achttausendern – dem Annapurna in Nepal. Danach habe ich erst damit geliebäugelt, die anderen auch noch zu erklimmen.

onemarkets: Ein Achttausender ist kein Spaziergang auf den Samerberg. Wie planen sie eine solche Expedition?

Dujmovits: Im Vorfeld eines solchen Unternehmens laufen zwei Dinge parallel – die Logistik und das Training. Im Rahmen der Logistik müssen zuvor Genehmigungen eingeholt werden. In Pakistan muss beispielsweise ein Jahr im Voraus der Antrag für eine Expedition gestellt werden. Im weiteren Verlauf brauchen sie vor Ort eine Agentur und einen Verbindungsoffizier, der die Logistik vor Ort und den Trip vom Flughafen zum Ausgangspunkt der Besteigung mitorganisiert.

Einige Wochen vor dem Start bringen Sie die Luftfracht mit der gesamten Ausrüstung auf den Weg. Das Training teilt sich ebenfalls in zwei Bereiche auf – das Körperliche und das Mentale. Um körperlich fit zu bleiben, bin ich sechsmal die Woche beim Training: Mountainbiken, Berglaufen oder Klettern. Es gibt nur einen Ruhetag.

onemarkets: Welche Rolle spielt die Psyche bei einer Expedition?

Dujmovits: Vor allem bei großen, schwierigen Unternehmungen kommt manchmal die Angst vor dem eigenen Mut. Das passiert, wenn wir uns eine vermeintlich zu schwierige Route ausgesucht haben oder das Unternehmen möglicherweise über unsere Kräfte hinausgeht. Dann kommen Zweifel. Man muss lernen, mit diesen umzugehen. Daher ist es wichtig, dass man sich nicht zu früh an große Unternehmungen heranwagt. Vielmehr ist entscheidend, langsam Erfahrung aufzubauen. Dadurch werden die Ziele greifbarer, selbst wenn sie größer sind. Damit sind wir leichter in der Lage, unsere Sorgen und Zweifel zu kontrollieren. Wenn ich einen Berg besteige, akklimatisieren wir uns zunächst. Dann steigen wir von einem Camp zum nächsten nach oben. Wenn der finale Anstieg bevorsteht, gehe ich am Nachmittag noch einmal alles durch, was auf dem Weg noch an Schwierigkeiten oder Problemen auftauchen könnte. Ich lasse mir Zeit und Ruhe dafür und versuche, potenzielle Schwierigkeiten im Vorfeld im Kopf bereits zu lösen. Damit räume ich alle meine Zweifel beiseite. Wenn ich mit Zweifeln starten würde, hätte ich keine Chance, zum Ziel zu kommen. Ich muss mir meiner Sache also absolut sicher sein.

onemarkets: Passen sie ihre anfängliche Strategie den neuen Gegebenheiten immer wieder an?

Dujmovits: Wir planen ständig um. Teilweise stündlich. Vor allem Wind, Wetter und Schneelage drängen uns dazu, stets extrem wachsam zu bleiben und die Strategie stetig anzupassen. Dazu muss man jedoch körperlich und mental immer wieder in der Lage sein. Anpassungen bergen Risiken. Um Strategien unterwegs anpassen zu können, müssen Sie körperlich und mental fit sein. Das heißt, Sie müssen sich auf Ihre eigenen Stärken, Erfahrungen und Ihr Können verlassen können. Um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, stelle ich mir selbst im Training immer wieder Aufgaben. Mit der Lösung dieser Aufgaben entwickle ich mich Schritt für Schritt weiter und verschiebe damit meine Grenzen weiter nach oben. Ich trainiere immer wieder das Prozedere, sich auf ein Ziel einzulassen und mit Ängsten, Sorgen und Zweifeln umzugehen.

onemarkets: Sie erreichen die nötige psychische Stärke, indem Sie durch das Erreichen von Zwischenzielen sowie das Lösen von Aufgaben und Bewältigen von Herausforderungen im Training Ihr Selbstbewusstsein weiter aufbauen …

Dujmovits: Ja. Um sich jedoch nachhaltig weiterzuentwickeln, muss man immer wieder über die eigenen Grenzen hinausgehen und entsprechende Erfahrungen sammeln. Dieser nächste Schritt sollte jedoch nie zu groß sein. Es sollte stets die Option vorhanden sein, gegebenenfalls auch wieder einen kleinen Schritt zurück machen zu können. Andernfalls droht ein Absturz.

onemarkets: Sie waren einmal mit ihrer Frau auf dem Weg zum Mount Everest. Im letzten Hochlager vor dem Anstieg zum Gipfel haben Sie sich entschieden abzubrechen und Ihre Frau ist allein zum Gipfel gestiegen. Wie war das?

Dujmovits: Das hatte zwei Seiten. Es ist für uns Männer sicher nicht immer ganz einfach zu verstehen, dass neben einem eine Frau sitzt, die möglicherweise oben ankommt, und wir müssen verzichten. In solchen Situationen müssen wir Männer unseren eigenen Stolz hintanstellen. Es geht vor allem darum, dass wir alle am Ende gesund und unbeschadet wieder unten ankommen. Dass es in dem Moment jemanden gibt – männlich oder weiblich – der/die es besser kann, sollte in den eigenen Überlegungen keine Rolle spielen. Im Gegenteil. Falscher Stolz kann nicht nur einen selbst, sondern auch andere in Gefahr bringen. Ich habe damals schlecht geschlafen und war müde. Es war also absehbar, dass ich an diesem Tag zu erledigt war, um auf den Gipfel zu steigen. Natürlich war die Enttäuschung groß, aber es wäre einfach zu gefährlich gewesen.

onemarkets: Dass Trader immer wieder Verluste hinnehmen müssen, ist an der Tagesordnung. Ist ein Abbruch für Sie eine Niederlage?

Dujmovits: Wenn wir einen Fehler machen und stürzen, ist zwar das Geld auch weg. Viel wichtiger ist jedoch die Gesundheit. Wenn ich dort oben also einen Fehler mache, komme ich möglicherweise nicht zurück. Damit habe ich einen Moment, der mich einbremst und der mich sensibilisiert, kein zu großes Risiko einzugehen. Natürlich ist man bei einem Abbruch enttäuscht, aber es gibt immer wieder Gelegenheiten für einen neuen Anlauf.

onemarkets: Viele Anleger und Trader arbeiten aktiv mit Stopp-Loss-Kursen. Das Ausstiegsszenario steht also von Anfang an fest. Sind Abbruchszenarien ein fester Bestandteil ihrer Strategie?

Dujmovits: Oberstes Gebot, um einen Achttausender zu besteigen, ist der unbedingte Wille, es zu schaffen. Ein solcher Berg treibt uns an die Grenzen des Leistungsvermögens und oftmals ein Stück darüber hinaus. Ihn zu besteigen gelingt nur, wenn man gewillt ist, alle Kräfte zu mobilisieren. Der Glaube versetzt Berge. Bei den Planungen für den Anstieg ist ein Abbruchszenario jedoch ein fester Bestandteil. Solche Szenarien müssen von Anfang an klar definiert sein. Schon allein deshalb, weil in einer Höhe von 8.000 Metern das Gehirn aufgrund der dünnen Luft nicht mehr so schnell und rational funktioniert. Wenn (schwierige) Entscheidungen also nicht schon vorher trainiert und besprochen wurden, könnte es dort oben eng werden.

onemarkets: Wir empfehlen Tradern stets ein Tagebuch zu führen. Führen sie ein Expeditionstagebuch, und lernen Sie daraus?

Dujmovits: Ich denke, dass es immer wichtig ist, Tagebuch zu führen, wenn man sich nachhaltig verbessern will. Dabei ist es nicht nur wichtig festzuhalten, wann welcher Berg bestiegen wurde, sondern auch Details zu den Planungen und Entscheidungen, die unterwegs getroffen wurden. Wir führen auch Expeditionen durch. Dabei kommen Menschen zusammen, die sich vorher noch nie gesehen haben. Je umfangreicher und besser ein Expeditionstagebuch geführt wird, desto besser ist der Teilnehmer einzuschätzen und desto besser ist die gesamte Expedition planbar.

onemarkets: Sie leiten Expeditionen. Haben Sie schon Bergsteiger abgelehnt?

Dujmovits: Wir stellen ganz klare Anforderungen. Je nach geplanter Expedition zählt dazu auch der Nachweis über bereits absolvierte Expeditionen. Aus dem Tourenbericht kann ich mir ein relativ genaues Bild zur körperlichen und mentalen Verfassung der potenziellen Teilnehmer machen. Wer unsere Kriterien nicht erfüllt, wird abgelehnt. Wenn wir eine Expedition führen, haben wir die Verantwortung für alle Teilnehmer. Ein Einzelner kann eine Expedition zum Scheitern oder die gesamte Gruppe in eine gefährliche Situation bringen, wenn er beispielsweise die Fitness oder Erfahrung nicht mitbringt. Das können wir nicht riskieren.

onemarkets: Wir lesen und hören immer wieder von Abstürzen. Wieso können viele Teilnehmer nicht frühzeitig kommunizieren, dass sie es möglicherweise nicht schaffen und abbrechen?

Dujmovits: Das sind oft Charakter- und Mentalitätsprobleme. Wir waren häufig mit einem Japaner auf einer Expedition. Bei einer gemeinsamen Tour auf den Mount Everest ist er auf rund 7.800 Meter zusammengebrochen. Den Symptomen nach zu urteilen hatte er schon Stunden zuvor bereits Probleme. Er hat uns später eingestanden, dass es in seiner Kultur unheimlich schwer ist, Schwächen einzugestehen. Um entscheiden zu können, abzubrechen, müssen Sie diese vermeintliche Schwäche überhaupt erst erkennen. Sie müssen in der Lage sein, Probleme oder Schwächen mitzuteilen. Das können viele Menschen nicht. Das gilt nicht nur für das Bergsteigen.

Das zweite ist die Charakterstärke: Bei einer Expedition geht es um viel Vorbereitungszeit und Geld. Auf dem Weg zum Ziel abzubrechen, kratzt am Ego und kostet oftmals mehr Kraft als einfach weiterzulaufen. Der Familie und Freunden zu erklären, dass man aufgegeben hat, fällt den meisten zudem unendlich schwer. Deshalb geben sie erst dann auf, wenn sie tatsächlich nicht mehr können oder wir als Expeditionsleiter merken, dass eine Fortsetzung für den Teilnehmer und/oder die gesamte Gruppe zu gefährlich wäre.

onemarkets: Beim Traden geht es nicht um Leben und Tod. Haben sie zwei oder drei Tipps die sie als Höhenbergsteiger unseren Anlegern mit auf den Weg geben können?

Dujmovits: Zunächst einmal ist es die Achtsamkeit gegenüber sich selbst. Als Bergsteiger muss ich mich gesund ernähren und trainieren, um fit zu bleiben. Anleger und Trader sollten sich ebenfalls fit halten – körperlich und psychisch. Regelmäßiges Training schult die Entscheidungsfähigkeit. Nur wer fit ist, kann hochkonzentriert seine Strategie verfolgen und Chancen sowie Risiken angemessen einschätzen. Weiterhin sollte jeder lernen umzukehren. Das heißt: möglicherweise nur ein oder zwei Schritte zurückzugehen und dann wieder fortzufahren oder gegebenenfalls auch wieder von ganz vorn anzufangen und die Anlage- und Tradingstrategie noch einmal komplett neu aufzusetzen. Ein Rücksetzer ist für uns Bergsteiger keine Niederlage, sondern man sollte es als Möglichkeit zu einem neuen Anlauf begreifen.

onemarkets: Herr Dujmovits, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

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