Interview – „Druck und Ungeduld sind an der Börse keine guten Ratgeber“
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Christian Schlegel ist Börsianer aus Leidenschaft. Den professionellen Börsenhandel betreibt er schon seit mehr als 30 Jahren. Bekannt ist Schlegel auch für seine Seminare und Chartanalysen.

onemarkets MagazinIm Gespräch mit dem onemarkets Magazin gibt er Einblick in seine Strategie. Erfahren Sie, auf welche Indikatoren, Signale und Kursmuster er achtet. Und warum er mit einem volatilen Marktumfeld rechnet.

onemarkets: Die zurückliegenden Monate waren äußerst volatil. Was erwarten Sie für den Rest des Jahres?

Christian Schlegel: Mit dem Ausbruch des DAX® über 13.000 Punkte besteht aus technischer Sicht durchaus die Chance auf einen Anstieg auf das Allzeithoch. Allerdings rechne ich eher mit einer Korrektur und mittelfristig weiterhin mit größeren Schwankungen an den Aktienmärkten.

onemarkets: Was veranlasst Sie zu dieser Einschätzung?

Schlegel: Wir haben weltpolitische Unruhen wie etwa den Handelskonflikt zwischen den USA und China bzw. Europa. Hinzu kommen die Spannungen im Nahen Osten und Nordkorea und die neue Regierung in Italien wirft ebenfalls viele Fragen auf. Diese Konflikte werden uns noch länger beschäftigen und die Finanzmärkte bewegen. Zwar fielen die Zahlen zum ersten Quartal mehrheitlich überraschend gut aus. Indikatoren wie der ifo Geschäftsklimaindex deuten jedoch bereits darauf hin, dass die konjunkturelle Dynamik etwas nachlassen könnte. Das Gewinnwachstum der Unternehmen könnte sich also ebenfalls abschwächen.

onemarkets: Ihre Trading- und Anlagestrategie basiert primär auf technischen Indikatoren. Sie argumentieren gerade fundamental. Wie passt das zusammen?

Schlegel: Auch als Charttechniker sollte man das fundamentale Umfeld nicht ganz außer Acht lassen. Mir ist immer wichtig zu wissen, wie ein Unternehmen dasteht. Was hat möglicherweise zu einer Gewinnwarnung geführt und besteht zeitnah die Chance auf eine Trendwende? Ein gutes Beispiel ist Schäffler. Der Umbau des Automobilzulieferers in Richtung E-Mobilität dauert länger als zunächst erwartet. Das hat kürzlich für einen kräftigen Kursdämpfer gesorgt. Strategisch erscheint mir der eingeschlagene Weg jedoch richtig. Daher behalte ich das Papier auf dem Radar.

onemarkets: Die finale Kaufentscheidung basiert jedoch primär auf charttechnischer Analyse. Wie gehen Sie dabei vor?

Schlegel: Ausgangspunkt ist die Trenderkennung beziehungsweise die Dow’sche Zählung. Wenn ein Auf- oder Abwärtstrend erkennbar ist, schaue ich mir Trendfolgeindikatoren wie die Bollinger-Bänder oder den MACD genauer an. Zum Schluss helfen mir die Oszillatoren beim Timing.

onemarkets: Können Sie die Dow’sche Zählung kurz erläutern?

Schlegel: Die Trenderkennung nach Charles Dow ist eine Zählweise, bei der man erkennt, ob sich ein Trend weiter nach oben oder unten fortsetzt, indem alte Zwischenhochs überschritten beziehungsweise alte Zwischentiefs unterboten wurden.

onemarkets: Gibt es bei Ihrer Analyse Zeiträume, die Sie präferieren?

Schlegel: Ich bin kein Day-Trader. Ich schaue mir grundsätzlich Tagescharts der zurückliegenden zwölf Monate an. Das reicht, um sich ein Bild von einem Titel zu machen und gegebenenfalls einen Auf- oder Abwärtstrend auszumachen. Zudem sind meine Positionen nicht darauf ausgelegt, drei Jahre oder gar noch länger gehalten zu werden, sondern maximal ein halbes Jahr.

onemarkets: Wie finden Sie Trading-Chancen? Durchforsten Sie täglich den gesamten, also deutschen, europäischen und amerikanischen Markt?

Schlegel: Nein. Ich habe einen Mikrokosmos von rund 50 Werten, die ich mir jeden Tag ansehe. Dabei nutze ich auch den Trading-Desk von onemarkets. Er bietet mir kostenlose Realtimekurse und eine Vielzahl von technischen Indikatoren und Signalen. Den Desk habe ich so konfiguriert, wie ich es seit nahezu 30 Jahren gewohnt bin.

onemarkets: Im Detail?

Schlegel: Den Kurschart lasse ich mir in Candlesticks, also als Kerzenchart, anzeigen. So sehe ich auf Anhieb, wie die Handelstage verlaufen sind. Ergänzt wird der Kurschart durch die beiden recht kurzfristigen 10- und 20-Tage-Durchschnittslinien und das Bollinger-Band. Zudem schaue ich mir den MACD und den Slow Stochastic an. Sie unterstützen mich bei der Trend- und Timing-Diagnose. Zusätzlich ermöglicht es der onemarkets Trading-Desk, Alarme zu setzen. Wird ein Signal ausgelöst, werde ich per SMS oder E-Mail informiert.

onemarkets: Traden Sie jeden Tag?

Schlegel: Nein. Druck und Ungeduld sind an der Börse keine guten Ratgeber. Wenn es drei oder vier Tage nichts zu handeln gibt, gehe ich Rasen mähen oder einkaufen. Wer vom Traden leben will, sollte mit solchen Phasen rechnen und sie auch finanziell aushalten können. Hier spielt jedoch die Erfahrung eine große Rolle. Schließlich beschäftige ich mich schon seit 30 Jahren mit den Märkten.

onemarkets: Was sind für Sie die drei wichtigsten Punkte, um mittelfristig ein erfolgreicher Investor und Trader zu werden?

Schlegel: Zu den wichtigsten Grundlagen eines Traders gehört sicherlich, sich mit den verschiedenen Finanzprodukten genau auszukennen und zu wissen, wie sie in der jeweiligen Marktphase reagieren. Inzwischen bieten die Emittenten und Finanzplattformen ein umfangreiches Paket von Broschüren, Erklärungsfilmen, Webinaren und Seminaren an. Ähnlich wie beim Führerschein sollten Anleger zunächst viel in die Theorie investieren, ehe sie ihre ersten „Fahrstunden“ an der Börse absolvieren. Das gilt vor allem – aber nicht nur – in schwankungsfreudigen Marktphasen. Zu guter Letzt gehören Geduld und ein gesundes Selbstvertrauen dazu.

onemarkets: Herr Schlegel, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Alle Meinungsaussagen oder Einschätzungen in diesem Interview geben die Einschätzung des Gesprächspartners wieder. Die hierin zum Ausdruck gebrachten Meinungen spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der UniCredit Bank AG wider.

Bildnachweise:

  • 10 Picture People für Schlegel Consulting GmbH

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