Die Rallye nährt die Rallye – aber wie lange?
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Die Aktienbörsen steigen und steigen und wenn sich der Ende Oktober eingeleitete Aufwärtstrend in ­unveränderter Stärke fortsetzt, steht der DAX® im Juni bei 20.000 Punkten!

Doch nicht nur der DAX® steigt scheinbar unaufhaltsam. Bei Fertigstellung dieses Artikels beendete auch der S&P 500® seinen fünften Monat in Folge mit Kursgewinnen. Eine solche Rallye fand seit den 1960er-Jahren 28-mal statt. In 20 dieser Fälle stieg der S&P 500® in den folgenden Monaten weiter an. Rallyes, die mindestens fünf Monate lang monatliche Zuwächse von mehr als 1 Prozent erzielten, waren jedoch seltener (der niedrigste monatliche Zuwachs bei der aktuellen Rallye betrug bisher 1,6 Prozent im Januar). Von den zwölf Fällen, in denen dies geschah, stieg der S&P 500® nur viermal weiter (nach dem Fünfmonatszeitraum). Der Rekord wurde Ende 1994 aufgestellt, als sich die Rallye über acht Monate in Folge erstreckte. Dieser Zeitraum war wohl das einzige Mal in der Geschichte, dass der Federal Reserve ein perfektes Soft Landing der US-Konjunktur gelang. Als die Rallye anhielt, warnte der damalige Fed-Vorsitzende Alan Greenspan in einer Fernsehansprache am 5. Dezember 1996, dass der Aktienmarkt möglicherweise überbewertet sei, und beschrieb das Verhalten der Aktienmärkte mit seinem oft zitierten Ausdruck „Irrational Exuberance“ („irrationaler Überschwang“).

Die Geschichte zeigt also, dass vergleichbare Rallyes zwar selten, jedoch nicht einzigartig sind. Gleichwohl mehren sich gegenwärtig die Zeichen, dass sich die Börsen von den realen Entwicklungen zumindest kurzfristig abkoppeln. Die Aktienmärkte preisen ein perfektes Szenario aus sich fortsetzender Desinflation, sinkenden Notenbankzinsen und einer lediglich leichten Eintrübung der US-Konjunktur bei gleichzeitiger Beschleunigung der Konjunktur in Europa ein. Dieses Szenario hat natürlich eine nicht zu vernachlässigende Eintrittswahrscheinlichkeit. Nur dürfte dies allmählich weitestgehend in den aktuellen Kursniveaus eingepreist sein. Das Risiko für eine temporäre Korrektur hat zuletzt deutlich zugenommen und die Aktienmärkte sind anfällig geworden, sollte sich auch nur ein Aspekt bei den optimistischen Erwartungen eintrüben.

Das mittel- bis längerfristige Umfeld bleibt jedoch aktienmarktfreundlich, auch wenn sich gerade im Bereich der Technologiewerte die Befürchtungen einer „Dotcom-2.0-Blase“, einer Wiederholung der Internet-Bubble Anfang der 2000er-Jahre mehren. Diese Gefahr sehen wir aktuell nicht. Der größte und wichtigste Unterschied zu Anfang 2000 ist, dass die Unternehmen, die heute im Fokus stehen, allesamt gute Gewinne machen. Vor 25 Jahren verbuchten die gehypten Firmen meist Verluste und mitunter noch nicht einmal Umsätze. Wenn man aber auf die Marktstimmung, die Geschwindigkeit der Kursentwicklung, die Beteiligung von Kleinanlegerinnen und -anlegern oder die Wachstumserwartungen schaut, dann gibt es durchaus Ähnlichkeiten. Das ist alles noch nicht auf dem Niveau von Anfang der 2000er-Jahre, aber es gibt eine Tendenz dahin. Hinzu kommt aktuell die Konzentration der Entwicklung auf eine kleine Anzahl von Firmen. Solange die Unternehmen jedoch weiter hohe Gewinne erzielen und Bewertungskennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)* für die sogenannten „Magnificent Seven“-Unternehmen nur wie derzeit (der Fall) leicht über 30 liegt (Anfang 2000 lag das KGV der Nasdaq®, gemessen nur anhand der Unternehmen, die auch Gewinn erzielten, bei rund 120), dürfte jeder Rücksetzer in den Kursen lediglich temporärer Natur sein.

* Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) drückt das Verhältnis zwischen Aktienkurs und geschätztem Unternehmensgewinn je Aktie für das laufende oder künftige Geschäftsjahr aus.

Bildnachweis: UniCredit Bank AG

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